Allzu moralisch

McEwan hat die Handlung  seines Romans "Maschinen wie ich" nicht in die Zukunft, sondern in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts verlegt: Lady Maggie Thatcher hat den Falklandkrieg verloren und Alan Turing ist nicht wegen seiner Homosexualität in den Selbstmord getrieben worden.

Als Charlies Mutter stirbt, ist er Anfang dreißig. Sein Leben als Jurist mit Berufsverbot und Börsenspekulant plätschert so vor sich hin. Vom Erlös des Hausverkaufes bestellt er sich "Adam", einen von 12 Exemplaren der ersten voll funktionsfähigen künstlichen Menschen. (Es gibt auch noch 13 Evas - die Lieferungen gehen in die ganze Welt.) Gemeinsam mit Miranda, einer Hausnachbarin in die sich Charlie verliebt, programmieren sie den doch sehr lebensecht wirkenden Androiden.

Sehr bald leben sie in einer Dreierbeziehung, denn auch Adam verliebt sich in Miranda (beginnt Haikus für sie zu dichten) und verbringt mit ihr eine gemeinsame Nacht, worauf Charlie sehr eifersüchtig reagiert und Miranda die Frage aufwirft:  „Würdest du dich genauso fühlen, wenn ich mit einem Vibrator ins Bett gegangen wäre?“

Adam, der sich zunehmend in das Leben beider einmischt und dabei auf mache dunkle Seite stößt, kommt mit seinem moralisch absolut einwandfrei programmiertes Bewusstsein nur schwer in einer Welt zurecht, die von Menschen geprägt ist, die glauben, um der Gerechtigkeit willen Unrecht tun zu können. Deshalb lässt sich auch streiten über die Entscheidung, die er am Ende des Buches trifft.

 

 

 

McEwan, Ian
Diogenes Verlag AG
ISBN/EAN: 9783257070682
25,00 € (inkl. MwSt.)