Literarisches Adventsrätsel

Wir starten am 1. Dezember unser heuriges Literarisches Adventsrätsel. Das Thema lautet: Auf Kutschen, Fahrrädern und anderen (gelegentlich auch motorisierten) Fortbewegungsmitteln. Die tägliche Frage (außer sonntags) findet sich an dieser Stelle, liegt aber auch im Laden aus. Ein täglicher Buchpreis winkt dem Tagesgewinner, den Gesamtsieger erwartet die Gesamtauszeichnung. Die Antworten nehmen wir gern per Mail, Telefon, Brieftaube, Rohrpost, Rauchzeichen, Nachrichtentrommeln u.ä. entgegen.

14. Dezember, Frage 12:

 

In welcher Geschichte registriert der Kapitän sorgenvoll das Wiederaufleben des Sturms?

 

Noch war nichts zu vernehmen als das Rauschen des Wassers, das schwere Aufschlagen, die dumpfen Stöße der unruhigen See, die sein Schiff von allen Seiten umgab. […] Die Stille der Luft hatte etwas Beängstigendes und Aufregendes – es war dem Kapitän, als hinge ein Schwert an einem Haar über seinem Haupte. Durch diese unheimliche Pause erschütterte der Sturm die Schutzwehr, die dieser Mann um sein Herz gezogen hatte, entsiegelte er seine Lippen. In der Einsamkeit und tiefen Dunkelheit der Kabine sprach er, als rede er zu einem andern, einem in seiner Brust erwachten Wesen: „Ich möchte sie nicht gern verlieren.“

 

a) Im Orkan von Caxamalca (von Jakob Wassermann)

b) Taifun (von Joseph Conrad)

c) Moby Dick (von Herman Melville)

 

 

13. Dezember, Frage 11:

 

In der Erzählung welches amerikanischen Erzählers nutzt die Hauptfigur eine Probefahrt sehr weidlich

und genüsslich aus?

 

Es war eine tolle Fahrt, sowohl hin als auch zurück. Es war die schönste Maschine, die ich je gesehen hatte. Ich konnte alles damit machen. Ich konnte damit überallhin und tat das auch. Ich konnte damit langsamer fahren als Schritttempo und schneller als jedes teure Auto auf dem Highway. Und ich konnte sie röhren lassen. Ich konnte damit im Zickzack fahren. Ich konnte mich beim Fahren in die Kurve legen. Ich schätze, ich machte vielen Leuten auf dem Higway Angst. Ich fuhr fast zwei Kilometer freihändig. Lange Zeit stand ich auf dem Sitz und hielt mich an den Handgriffen fest. […] Ich hatte einen Riesenspaß mit der Harley-Davidson. Dann brachte ich sie zurück. Der Verkäufer sagte: „Wo waren Sie denn?“

 

 

a) William Saroyan (in: Wo ich herkomme sind die Leute freundlich)

b) William Faulkner (in: New Orleans. Skizzen und Erzählungen)

c) Charles Bukowski (in: Auf der Harley in die Hölle)

 

 

12. Dezember, Frage 10:

 

In welchem Buch wird in einer flammenden Rede gegen das Fahrrad folgendes Argument vorgetragen?

 

Radfahren, das heißt: keine Lektüre, keine Musik, keine Theaterbesuche. Radfahren heißt, den Menschen von seinem geistigen Wesen auf das rein Vegetative niederzuziehen: strampeln, schwitzen, schlafen. Eine Verdummungsmaschine. [...] Radfahren, das heißt auch weniger Kirchenbesuche, dafür umso mehr Besuche geheimer sozialdemokratischer Veranstaltungen in Stadt und Land. Radfahren, das heißt die Auflösung scheuer Bande. Es muss erschreckend sein, was sich – der Aufsicht von Vormündern und Eltern entzogen – auf den zwei-, drei- und viersitzigen Gesellschaftsrädern in den Parks und der freien Landschaft Englands vollzieht.

 

a) Der Mann auf dem Hochrad (von Uwe Timm)

b) Der Mann auf dem blauen Fahrrad (von Lars Gustafsson)

c) Kriminalgeschichte der Verdummung. Band 10 (von Karlheinz Deschner)

 

 

11. Dezember, Frage 9:

 

Welcher Siegfried berichtet während der Weimarer Republik Folgendes aus Berlin?

 

Wenn ich es noch nicht gewusst hätte, so wäre ich jetzt, nach dem Besuch der Internationalen Auto-Schau am Kaiserdamm, endgültig davon überzeugt: daß das Auto einer der wenigen Gegenstände ist, die heute allgemeine Verehrung genießen. Ich kenne kaum ein anderes Objekt, das so in der Volksgunst steht. Taxichauffeure und Herrenfahrer, junge Burschen proletarischen Aussehens und Schupomannschaften, elegante Schnösels und Motorradanwärter: sie alle, die sich sonst gar nicht miteinander vertragen, pilgern gemeinschaftlich durch die Hallen und verrichten ihre Andacht vor Kühlern, Zündern und Karosserien. […] Noch niemals bin ich in eine Menge verschlagen worden, die soviel von den Dingen verstünde, um derentwillen sie sich angeschaart hat. Mag man in Volksversammlungen ihr alles mögliche aufschwatzen können: hier läßt sie sich nicht betrügen, hier dringt sie bis ins Innere der Motoren vor.

 

a) Siegfried Jacobsohn (in: Theater und Revolution)

b) Siegfried Giedion (in: Auto und Gemeinschaft)

c) Siegfried Kracauer (in: Autokult)

 

 

9. Dezember, Frage 8

 

Welcher Kutscher findet trotz allen Vorsagens nicht den rechten Weg?

 

"Bis zur Brücke geradeaus - / dann nach links zum Försterhaus,/ noch mal links am grossen Stein/ in den Kiefernwald hinein,/ durch den Wald bis zu den Linden -/ nun, das werden wir schon finden./ Wenn wir erst da oben stehen,/ können wir den Bullerauer/ Kirchturm ganz bestimmt schon sehen!"

[…] In den nächsten beiden Stunden/ ist der Weg noch nicht gefunden,/ auch sind die besagten Linden/ in der Gegend nicht zu finden./ ... fragt verwirrt:/ "Soll man das für möglich halten! Hab ich mich denn so geirrt?"/ Und er sagt sich sorgenschwer/ noch einmal sein Verschen her: "Bis zur Brücke geradeaus,/ dann nach links zum Försterhaus,/und dann ging´s am großen Stein/ gerade in den Wald hinein.-/ Sollte man vielleicht nach Buchen/ statt nach Lindenbäumen suchen?/ Oder war´s ein Eichenwald/ - oberhalb von Bullerau -,/ den es zu erreichen galt?"

 

a) Onkel Tobi (in: Hans-Georg Lenzen: Onkel Tobis Landpartie)

b) Onkel Ruhe (in: Helme Heine: Tante Nudel, Onkel Ruhe und Herr Schlau)

c) Uncle Sam (in Quentin Blake: Onkelgedichte)

 

8. Dezember, Frage 7:

 

Von wem stammt dieser Blick in eine Tokioter S-Bahn?

 

In Tokyo lesen die Menschen weder zu Hause noch in einer Bibliothek, sondern immer in einer S-Bahn. Dort hat man genug Zeit, weil man anonym ist.

Die Lesenden in der S-Bahn haben seltsame Gewohnheiten. Sie halten die Bücher viel zu nah an das Gesicht. Daher bekommt man leicht das Gefühl, die Bücher wären dafür da, um die Gesichter zu bedecken. Sie sind die Masken, die den Gesichtern der Lesenden einen zweiten Namen und einen Titel geben. […]

Die Finger, die das Buch halten, nehmen bei jedem Lesenden eine andere Form an. Sie bilden die unterschiedlichsten Ausdrücke, die weder mit dem Inhalt des Buches noch mit dem Selbstbild des Lesenden zu tun haben. Die Finger der Lesenden führen miteinander ein Gespräch, das kein Mensch versteht. Ihre Gebärdensprache wird zur Geheimsprache in der S-Bahn.

 

a) Yoko Tawada (in: Talisman)

b) Haruki Murakami (in: Die unheimliche S-Bahn-Bibliothek)

c) Yoko Ono (in: Horizontal Memories)

 

 

7. Dezember, Frage 6

 

Wer befindet sich am Tag der South Ferry an Bord derselben?

 

Sie hängt mit ihren Ellbogen auf der Reling der äußeren Umgangs und hält dem Wind ihr Gesicht zum Waschen hin. Ihr Gesicht ist von der Empfindung des Wetters zugewischt, abgedeckt wie von einer anderen Haut. Mit geschlossenen Augen schiene sie jetzt blind. Nur die kleinen weißlichen Haare, die ihr an den Schläfen aus der Kapuze kriechen, laden zum Wiedererkennen ein. Aber sie wartet. Sie ist ganz sicher, daß hinter dem Vorhang aus Dunst das Rathaus von Richmond hervortreten wird, in der Wirklichkeit so unzerstörbar wie in der Erinnerung. - Ich möchte nirgends leben, nur in New York: sagt sie.

 

a) Marylin (in John Dos Passos: Manhattan Transfer)

b) Lynn (in: Max Frisch: Montauk)

c) Marie (in Uwe Johnson: Jahrestage)

 

 

6. Dezember, Frage 5:

 

Von welchem ihrer (Fahrrad-)Partner berichtet Simone de Beauvoir?

 

… machte viel lieber Radtouren als Fußwanderungen, deren Monotonie ihn langweilte. Beim Radfahren wechseln das Tempo und die Beanspruchung der Muskeln. Es machte ihm Spaß, bergauf zu sprinten. Ich pustete, weit abgeschlagen, hinterher. Auf ebenen Strecken radelte er so sorglos dahin, daß er ein paarmal im Straßengraben landete. "Ich dachte an etwas anderes", sagte er dann. Wie ich liebte er die Fröhlichkeit der Abfahrten.

 

a) Claude Lanzmann (in: Die Mandarins von Paris)

b) Jean-Paul Sartre (in: In den besten Jahren)

c) Jean-Sol Partre (in: Die Gischt der Tage)

 

5. Dezember, Frage 4

 

In welcher Geschichte wird folgendes famose Fahrzeug beschrieben?

 

Es gab drei Bedienungshebel. Und damit man sie nicht miteinander verwechseln konnte, hatte jeder von ihnen einen andersfarbigen Knopf: einen roten, einen blauen und einen gelben. Der rotknöpfige war der Gashebel. Man brauchte ihn am häufigsten, deshalb hatte er den auffälligen, feuerroten Knopf. Mit dem blauen Hebel konnte man den … Motor umkuppeln auf: Luftantrieb – Wasserantrieb – Landantrieb. Und der Hebel mit dem gelben Knopf hatte einen ganz besonderen Zweck: Mit ihm ließen sich die vier Flügel der Luftschraube V-förmig nach hinten zusammen- und wieder auseinander falten.

 

a) Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt (von: Boy Lornson)

b) Tobi Tüftel und die verrückte Flugmaschine (von: Barbara Rose)

c) Willy Werkel baut eine Flugmaschine (von George Johansson)

 

 

4. Dezember, Frage 3:

 

Wer sitzt...?

 

... im Nibelungenexpreß. Es dunstete nach neuem Anstrich, nach Renovation und Restauration; es reiste sich gut mit der Deutschen Bundesbahn; und außen waren die Wagen blutrot lackiert. Basel, Dortmund, Zwerg Alberich und die Schlote des Reviers; Kurswagen Wien Passau, Fememörder Hagen hatte sich´s bequem gemacht; Kurswagen Rom München, der Purpur der Kardinäle lugte durch die Ritzen verhangener Fenster; Kurswagen Hoeck van Holland London, die Götterdämmerung der Exporte, die Furcht vor dem Frieden.

 

a) Gottlieb Zürnhoff (in Martin Walser: Lügengeschichten)

b) Felix Keetenheuve (in Wolfgang Koeppen: Das Treibhaus)

c) Walter Matern (in Günter Grass: Hundejahre)

 

2. Dezember, Frage 2:

 

Welchem Roman entstammt folgende Passage?

 

Von der Alleenstraße, wo er in einem Hinterhaus logierte, fuhr der Kutscher August Kandel am siebzehnten Juni, abends gegen halb acht, zum Neuen Schloß. Er horchte auf das Hufeklappern und überlegte, wer der Reisende sein könnte, der hinter ihm, die Beine übereinandergeschlagen und zurückgelehnt, eine Zigarre rauchte, als Gepäck nur eine glasperlenbestickte Tasche bei sich hatte, die längst aus der Mode gekommen war, und leise mit sich selber sprach. Kandel meinte, er habe seinen Dialekt, eine Mischung aus Tschechisch und aus Deutsch, zum ersten Mal in Wien gehört.

 

a) Die Glasperlentasche (von Hermann Hesse)

b) Der Schatten des Körpers des Kutschers (von Peter Weiss)

c) Der Kutscher und der Wappenmaler (von Hermann Lenz)

 

1. Dezember, Frage 1:

 

Wer berichtet hier von seinen Erlebnissen beim Erlernen des Fahrradfahrens?

 

Der Experte erklärte kurz die Gesichtspunkte des Dings, dann stieg er auf dessen Rücken und fuhr ein wenig herum, um mir zu zeigen, wie einfach das geht. Er sagte, dass das Absteigen die vielleicht schwierigste Sache der Welt sei, deshalb würden wir uns das bis zum Schluss aufsparen. Da hatte er sich aber getäuscht. Zu seiner freudigen Überraschung brauchte er mich nur auf der Maschine zum Rollen zu bringen und aus dem Wege zu gehen, und schon kam ich von allein herunter. Obwohl ich doch völlig unerfahren war, stieg ich in Rekordzeit ab. [...] krachend gingen wir alle zu Boden – er zuunterst, dann ich und obenauf die Maschine.

 

a) Mark Twain (in: Wie ich das Hochrad zähmte)

b) T. Maxwell Witham (in: Wie ich in den 1860ern den Knochenschüttler meisterte)

c) Marco van Basten (in: Wie ich das Fahrradfahren noch vor dem Fußballspielen erlernte)