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Adventsrätsel im SeitenBlick - Auflösung und GewinnerInnen

Liebe Kundinnen und Kunden, liebe Freunde und Freundinnen,

 

auch diese Adventszeit scheint wieder eigenen Gesetzen unterworfen, wir aber möchten uns altvertraut bei Euch und Ihnen melden.

Das Wichtigste: Der SeitenBlick hat geöffnet, kann also nachweisbar Geimpfte und Genesene in seinem Inneren empfangen. Menschen, die ungeimpft sind und etwas abholen oder fragen möchten, können per Klingel auf sich aufmerksam machen. Wir kommen an die Tür, sobald es das Ladengeschehen erlaubt. Natürlich kann es bei diesen Umständen auch sinnvoll sein, bestimmte Anfragen bereits vorab per Mail zu übermitteln.

Verlängerte Geschäftszeiten möchten wir zumindest für den Donnerstagabend in Aussicht stellen. Am 2., 9., 16. und 23.12. haben wir jeweils bis 20 Uhr geöffnet.

Und natürlich darf auch in diesem Jahr unser Literarisches Adventsrätsel nicht fehlen. Das Thema lautet: Über Bilder, Musik und andere Künste (inklusive der darin verwickelten KünstlerInnen).

 

24. Dezember, Frage 21

Welche deutsche Autorin beschreibt hier ein Aufwachsen, das zum Teil unter einem Chagallschen Himmel statt fand?

Hinter dem Spiegel haben Hammel keine Ohren und die Sonne ist ein gebratenes Ei. Ich bin unter einem jener hängenden Paradiesgärten aufgewachsen, mit weidenden Ziegen und fliegenden Fischen in der Luft. In den dunstigen Wolken aus Gras sehe ich noch immer diese Szenen wieder, in die ich hineindämmerte, im kühlen Schatten des Elternschlafzimmers […] Wenn ich in den Daunen lag und einschlafen oder aufwachen sollte, tasteten meine Blicke Chagalls Linien ab; natürlich war das eine minderwertige Fotokopie, die in einem zu großen Rahmen bei uns hing. Heute ist sie neu gerahmt, aber sie e:xistiert noch immer. Und noch immer trägt sie einen dieser Ziegenböcke mit weichem Blick und die anderen seltsam tänzerisch-steifen Wesen, die durch Luft und Gräser schwebten.“

a) Judith Zander (Johnny Ohneland)
b) Ella Carina Werner (Überm Abendkleid)
c) Miku Sophie Kühmel (Unterm Ziegenbock)

Gewinnerin: A.L. Donner

 

23. Dezember, Frage 20

In welchem Roman eines deutschen Schauspielers wird hier ein Lebensende vor einem bestimmten Bild-Hintergrund beschrieben?

„Sag mal […] Was sind denn das für verrückte Bilder hier an den Wänden?
Wo?
Diese zerlaufenden Uhren!
Das sind Drucke von Dali.
Dass du damit leben kannst! Ich kann da gar nicht hinschauen. Da kriege ich gleich Beklemmungen.
Soll ich sie abnehmen und umdrehen?
Nein, lass mal.
Und dann setzte er sich in den gelben Sessel und sagt ganz ruhig: Ich glaube , ich sterbe.
Und als [… ] sich zu ihm umdreht, lebt er schon nicht mehr.“

a) Hast du uns endlich gefunden (von Edgar Selge)
b) Adé (von Christian Berkel)
c) Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war (von Joachim Meyerhoff)

Gewinner: S. Steger

 

 

22. Dezember, Frage 19

Von wessen Stimme ist hier, in einem deutschsprachigen Roman der 1970er Jahre, die Rede?

Wenn die Frau anfing, ging ich immer kaputt. Ich glaube, sie ist nicht schlechter als Ella Fitzgerald oder eine. Sie hätte alles von mir haben können, wenn sie da vorn stand mit ihrer großen Brille und sich langsam in die Truppe einsang.“

der Stimme von
a) Gianna Nannini (in: Lenz von Peter Schneider)
b) Uschi Brüning (in: Die neuen Leiden des jungen W. Von Ulrich Plenzdorf)
c) Nana Mouskuri (in: Nana musste warten von Costa Cordalis)

Gewinnerin: A. Wegerich

 

21. Dezember, Frage 18

Wer beschreibt hier die <Vision> eines berühmten französischen Bildhauers?

"Und endlich sah er ihn. Er sah eine breite, ausschreitende Gestalt, die an des Mantels Fell alle ihre Schwere verlor. Auf den starken Nacken stemmte sich das Haar, und in das Haaar zurückgelehnt lag ein Gesicht, schauend, im Rausche des Schauens, schäumend von Schaffen: das Gesicht eines Elements ... Das war der Mann, dessen Auge keiner Dinge bedurften; wäre die Welt leer gewesen: seine Blicke hätten sie eingerichtet. Das war der, der durch sagenhafte Silberminen reich werden wollte und glücklich durch eine Fremde. Das war das Schaffen selbst, das sich der Form Balzacs bediente, um zu erscheinen; des Schaffens Übehebung, Hochmut, Taumel und Trunkenheit."

a) Oskar Maria Graf (in: Mitmenschen)
b) Günter Maria Halmer (in: Schaffen kann jeder)
c) Rainer Maria Rilke: (in: Auguste Rodin)

Gewinnerin: S. Kleine

 

20. Dezember, Frage 17

In welchem Buch wird hier über ein Bild von Caspar David Friedrich meditiert?

„Noch einmal starrte er auf die Abtei. Ein Stück einer Mauer stand noch, mit einem hohen gotischen Fenster, durch das ein Licht schien, das nicht von dem kleinen Mond herrühren konnte. Ruinen, umgefallene Grabsteine, kahle, bizarre Bäume wie Gespenster, metaphysisches Licht, ein Kreuz, das schief auf einem Grab stand, es stimmte alles. Öde, Finsternis, das Jagdrevier der germanischen Seele, die nun endlich, am Ende dieses wahnwitzigen Jahrhunderts, am Ende der Jagd angelangt war. Ob das nun der neuen Klarheit der Denkens, der Ernüchterung der Niederlage, der doppelten Strafe der Teilung kam oder ganz einfach, wie anderswo auch, letztendlich vom Triumph des Geldes, wußte er nicht.“

a) in: Allerseelen (von Cees Nooteboom)
b) in: Friedrichsruh (von Guido Knopp)
c) in: Jugend (von Wolfgang Koeppen)

Gewinner: M. Bayer

 

 

18. Dezember, Frage 16

Um welchen deutschen Schriftsteller geht es in dem Roman, in dem es von Gustav Mahler an einer Stelle heißt?

„Er wohnt recht behaglich […] Aber er macht sich ständig Sorgen. Das ist seine Natur. Mitten in einer Riesensinfonie macht er sich Sorgen wegen der paar Nötlein, die er für einen armen kleinen Piccoloflötisten geschrieben hat, der sich irgendwo hinten versteckt.“

a) Gerhart Hauptmann (in: Wiesenstein von Hans Pleschinski)
b) Franz Kafka (in: Die Wiesenherrlichkeit des Lebens von Michael Kumpfmüller)
c) Thomas Mann (in: Der Zauberer von Colm Toibin)

Gewinnerin: G. Burandt


 

17. Dezember, Frage 15

Wessen Musik wird hier als ein Mittel gegen die Blähungen der Tochter erwogen?

„Ich stand mit meiner Tochter in der Mitte meines Arbeitszimmers, als mir am vierten Blähungsabend die Idee kam, Musik zu hören; vielleicht würde es sie ablenken, überlegte ich, ohne der Hoffnung viel abzugewinnen. Aber etwas anderes hatte ich ohnehin nicht zu tun, und schaden würde es gewiß nicht. Einem Impuls folgend, entschied ich mich sofort für […] das letzte Stück auf seiner ersten Soloplatte: eine schier endlose Wiederholung der immer gleichen, von sekundenlangen Pausen unterbrochenen Akkorde zu einem grandiosen Text, den ich bis heute nicht verstanden habe.“

die Musik von
a) Neil Young (in Navid Kermani: Das Buch der von Neil Young Getöteten)
b) Hannes Wader (in Hannes Wader: Dass nichts bläht wie es tat)
c) Leonhard Cohen (in: Klaus Modick über Leonhard Cohen)

Gewinner: R. Singer

 

16. Dezember, Frage 14

Wer schildert die folgende (musikalische) Reise eines berühmten Jazz-Pianisten?

„...der Bär erhebt sich wiegend, satt vom Honig oder auf der Suche nach einem moosigen Plätzchen für seine große Schläfrigkeit, den Schemel verlassend, stützt er sich auf den Rand des Flügels, mit einem Fuß und der Mütze den Takt schlagend, während die Finger über das Instrument gleiten, zuerst am Rand der Tasten entlang, wo ein Aschenbecher und ein Bier stehen könnte, doch wo es nichts weiter gibt als Steinway & Sons, und dann beginnen sie unmerklich auf der Kante des Klavierkastens eine Fingersafari...“

a) Fritz Rudolf Fries (in: Der Weg nach Oobliadooh)
b) Julio Cortazar (in: Reise um den Tag in 80 Welten)
c) Heinz-Rudolf Kunze (in: Ein Bär am Klavier)

Gewinner: N. Held

 

 

15. Dezember, Frage 13

Welcher aus dem Niederrhein stammende Schriftsteller verfasste diese Zeilen über Beuys?

„Beuys war der berühmteste Mensch, den unsere Gegend seit Langem hervorgebracht hatte. Genaugenommen war er überhaupt die einzige Berühmtheit aus dem Kreis Kleve seit Menschengedenken. Trotzdem oder gerade deswegen mochten ihn die meisten bei uns nicht. Fast alle hielten ihn für einen Scharlatan, manche […] außerdem für einen politischen Aufrührer. Es wurde erzählt, das die Putzfrau eine Fettecke in seinem Atelier weggewischt oder eine von ihm mit Pflaster beklebte und mit Farbe beschmierte Wanne blank geschrubbt habe. Möglicherweise war besagte Badewanne auch von Studenten zum Kühlen ihrer Bierflaschen benutzt und dadurch als Kunstwerk zerstört worden.
Die Leute, die Beuys nicht ganz ablehnend gegenüberstanden, behaupteten, in seinem Frühwerk sähe man, dass er eigentlich <richtig gut> malen könne.“

a) Christoph Peters (zu: Joseph Beuys – ohne Titel)
b) Willi Lippens (in: Jedem sein Fett)
c) Norbert Hummelt (in: Der Atlas der Erinnerung)

Gewinnerin: M. Füllenbach

 

 

14. Dezember, Frage 12

Welcher Regisseur beschreibt hier den Ansatz seines Filmprojekts?

„Alle Berichte, alle Zeugnisse, die ich sammelte, auch die herzzerreißendsten, machten vor etwas ganz Zentralem halt, aber ich hatte Mühe, es zu erkennen. Die Anfänge – die Verhaftung, die Razzien,die Falle, der <Transport>, die Enge, der Gestank, der Durst, der Hunger, der Betrug, die Gewalt, die Selektion bei der Ankunft im Lager – ähnelten sich alle, und man war sehr schnell in der grausamen Routine des Konzentrationslagerlebens. Es kam nicht in Frage, dass mein Film all dies überging, aber das Wesentliche fehlte: die Gaskammern, der Tod in den Gaskammern, aus denen nie jemand zurückgekommen war, um darüber zu berichten. An dem Tag, als ich das begriff, wusste ich, dass das Thema des Films der Tod sein würde, der Tod und nicht das Überleben, ein radikaler Widerspruch, denn es zeigte die Unmöglichkeit des Unternehmens, in das ich mich stürzte, Tote können nicht für die Toten sprechen.“

a) Alain Resnais (im Kommentar zu: Nacht und Nebel)
b) Claude Lanzmann (in: Der patagonische Hase)
c) Quentin Tarantino (in: Es war einmal in Deutschland)

Gewinner: F. Haberkorn

 

13. Dezember, Frage 11

Woher stammen diese Zeilen über Mozart?

„Hier drängt sich uns voraus die schmerzliche Betrachtung auf, daß dieser feurige, für jeden Reiz der Welt und für das Höchste, was dem ahnenden Gemüt erreichbar ist, unglaublich empfängliche Mensch, soviel er auch in seiner kurzen Spanne Zeit erlebt, genossen und aus sich hervorgebracht, ein stetiges und rein befriedigtes Gefühl seiner selbst doch lebenslang entbehrte.“

aus:
a) Mozart (von Wolfgang Hildesheimer)
b) Mozart auf der Reise nach Prag (von Eduard Mörike)
c) Lieben Sie Mozart? (von Francoise Sagan)

Gewinner: H.-J-Krüger

 

 

11. Dezember, Frage 10

In welchem Roman kommt es zu folgender Begegnung mit einem legendären Gitarristen?

„Jimi Hendrix, der auf einem etwas niedrigeren Hocker saß, sah sie an. Sein Gesicht strahlte Ruhe aus. Nirgends eine Spur von dem Jimi Hendrix, der vor gerade einmal einer halben Stunde auf der Bühne das Mikrofon gepimpert und seine Gitarre gevögelt hatte. Keine Spur von dem Jimi Hendrix, dessen Gitarre in einem verzückten, wollüstigen Stakkato mit seinem Körper gestöhnt, gejault und gebebt hatte.“

a) Lily Brett (in: Lola Bensky)
b) Virginie Despentes (in: Lola Subutex)
c) Andrej Kurkow (in: Jimi Hendrix live in Lemberg)

Gewinnerin: M. Beyer

 

10. Dezember, Frage 9

Wer geht hier intensiv auf Géricaults Gemälde Das Floß der Medusa ein?

„Die Überlebenden auf dem Floß streckten sich in einer gemeinsamen Bewegung empor, von den Toten im Vordergrund weg, mehr und mehr sich aufrichtend, bis zum dunkelhäutigen Rücken des Hochgehobnen, dem der Wind das Tuch in der winkenden Hand zur Seite riß. […] Aus der vereinzelten Katastrophe war das Sinnbild eines Lebenszustands geworden. Voller Verachtung den Angepaßten den Rücken zukehrend, stellten die auf dem Floß Treibenden Versprengte dar einer ausgelieferten Generation, die von ihrer Jugend her noch den Sturz der Bastille kannte. Sie lehnten und hingen aneinander, alles Widerstreitende, das sie auf dem Schiff zusammengeführt haben mochte, war vergangen, vergessen war das das Ringen, der Hunger, der Durst, das Sterben auf hoher See, zwischen ihnen war eine Einheit entstanden, gestützt von der Hand eines jeden, gemeinsam würden sie jetzt untergehn oder gemeinsam überleben, und daß der Winkende, der Stärkste von ihnen, ein Afrikaner war, vielleicht zum Verkauf als Sklave auf die Medusa verladen, ließ den Gedanken aufkommen an die Befreiung aller Unterdrückten.“

a) Peter Handke (in: Versuch über den Schiffbruch)
b) Alexandre Dumas (in: Schiffbrüche)
c) Peter Weiss (in: Die Ästhetik des Widerstands)

Gewinnerin: R. Möller

 

9. Dezember, Frage 8

Wer knüpft an die Endeinstellung eines berühmten Films die folgenden Gedanken?

„Wenn dieses Bild aufscheint, am Ende von <Modern Times>, sind die Zuschauer erleichtert, daß Charlie und die schöne junge Frau endlich zusammengefunden haben. Nach hundert Fehlschlägen leuchtet ihnen die Utopie des Glücks, der sie nun, auf einer von allen Niederlagen gereinigten Straße, entgegengehen. […] Das Paar – der haarsträubende Trottel, dem es gegen alle Wahrscheinlichkeit gelungen ist, eine wundervolle Frau für sich einzunehmen – erinnert uns an all die Menschen, die wir außerhalb des Kinos kennen und die sich oft verzweifelt anstrengen, richtige Paare zu sein.[...] An dieser wunden Stelle setzt Chaplins gut verborgene Utopie an. Er zeigt uns zwei in ihren Äußerlichkeiten kraß auseinanderstrebende Menschen, die trotzdem ein Paar sind. Ein Paar freilich, das keinen Versuch unternimmt, einander passend zu machen“.
 

Lösung:
a) Wilhelm Genazino (in: Aus der Ferne)
b) Maria Zurhorst (in: Liebe den Trottel in Dir)
c)  Siegfried Kracauer (in: Chaplin)

Gewinner: M. Reichwein
 

 

8. Dezember, Frage 7

Wer widmete Maria Callas diese Zeilen?

„Sie war, wenn ich an das Märchen erinnern (darf), die natürliche Nachtigall dieser Jahre, dieses Jahrhunderts, und die Tränen, die ich geweint habe – ich brauchte mich ihrer nicht zu schämen. Er werden soviel unsinnige geweint, aber die Tränen, die der Callas gegolten – sie waren so sinnlos nicht. Sie war das letzte Märchen, die letzte Wirklichkeit, deren ein Zuhörer hofft, teilhaftig zu werden.
[…]
Sie war der Hebel, der eine Welt umgedreht hat, zu dm Hörenden, man konnte plötzlich durchhören, durch Jahrhunderte, sie war das letzte Märchen.“
 

Lösung:
a) Ingeborg Bachmann (Hommage à Maria Callas)
b) Eva Baronsky (Die Stimme meiner Mutter)
c) Irmtraud Morgner (Leben und Abenteuer der Trobadora Maria nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura)

Gewinner: F. Willberg


 

7. Dezember, Frage 6

Von welchem Saxophonisten ist in dieser Schilderung einer ungewöhnlichen Jazz-Session im New York der 60er Jahre die Rede?

„Das also sollte die freieste Spielart des Improvisierens sein, frei hieß freie Fahrt für jede Sorte Geräusch, frei unter dem Dirigat eines rebellischen Saxophonisten. Das war das Unerhörte, das war der Jazz, den ich nicht kannte, der weiter ging als die Avantgarde, als John Coltrane und Miles Davis, der weiter ging als Monk und tausend Meilen weiter als der gute alte Louis Armstrong. Auch bei denen hatten die Zuhörer, vor Jahren, vor Jahrzehnten, nach der ersten Empörung und Ablehnung sich gewöhnen und einhören und dem Reflex widerstehen müssen, die Hände auf die Ohren zu drücken“
 

Lösung:
a) Rufus Scott (in: James Baldwin: Ein anderes Land)
b) Albert Ayler (in: Friedrich Christian Delius: Die Zukunft der Schönheit)
c) Albert Mangelsdorff (in: Volker Kriegel: Albert mit der Tröte)

Gewinner: F. Zweynert

 

6. Dezember, Frage 5

Von welchem deutschen Schriftsteller stammt der folgende Ausschnitt einer „Bildbeschreibung“?

„Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen.“
 

Lösung:
a) Walter Benjamin (in: Über den Begriff der Geschichte)
b) Walter Kaufmann ( in: Im Fluss der Zeit)
c) Friedrich Schiller (in: Was heißt und zu welchem Ende studiert man den Engel der Geschichte?)

Gewinner: C. Süring

 

 

4. Dezember, Frage 4

Wer vertieft sich hier in ein berühmtes Revolutionsgemälde von Delacroix?

„Eine Volksgruppe während den Juliustagen ist dargestellt, und in der Mitte, beinahe wie eine allegorische Figur, ragt hervor ein jugendliches Weib, mit einer roten phrygischen Mütze auf dem Haupte, eine Flinte in der einen Hand und in der andern eine dreifarbige Fahne. […] Ich kann nicht umhin, zu gestehen, diese Figur erinnert mich an jene peripatetischen Philosophinnen, an jene Schnelläuferinnen der Liebe oder Schnelliebende, die des Abends auf den Boulevards umherschwärmen; ich gestehe, daß der kleine Schornsteinkupido, der, mit einer Pistole in jeder Hand, neben dieser Gassenvenus steht, vielleicht nicht allein von Ruß beschmutzt ist; daß der Pantheonskandidat, der tot auf dem Boden liegt, vielleicht den Abend vorher mit Kontremarken des Theaters gehandelt; […] - aber das ist es eben, ein großer Gedanke hat diese gemeinen Leute, diese Crapüle, geadelt und geheiligt und die entschlafene Würde in ihrer Seele wieder aufgeweckt.“
 

Lösung:
a) Ludwig Börne (in: Briefe aus Paris)
b) Ludwig Thoma (in: Revolution im Himmel)
c) Heinrich Heine (in: Französische Maler)

Gewinnerin: K. Kunkel

 

3. Dezember, Frage 3

Welcher bekannte Film-Regisseur gibt der Ich-Erzählerin in einer Roman-Passage folgende Lebensmaxime mit auf den Weg?

„<Weißt du, wir beide wurden heute Abend an etwas Wichtiges erinnert>. Ich fragte mich, was er meinte – was er und ich bloß gemein haben konnten. <Egal, wie das Leben uns mitspielt>, sagte er, <es hat immer auch Freuden zu bieten. Und die sollten wir uns nicht entgehen lassen.> Und dann rückte dieser Mann, der in seinem Leben so viel erreicht und auch so viel gelitten hatte, den Hut auf seinem Kopf zurecht, sodass er genau im richtigen Winkel saß, und tippte mit zwei Fingern an die Krempe. <Denk daran>, fügte er hinzu. Und das habe ich immer getan.“
 

Lösung:
a) Billy Wilder (in: Mr. Wilder & ich von Jonathan Coe)
b) Rainer Werner Fassbinder (in: Rainer und ich von Hannah Schygulla)
c) Peter Zadek (in: Sein oder Nichtsein von Klaus Pohl)

Gewinnerin: K. El-Hokayem

 

2. Dezember, Frage 2

Wer ist der Verfasser eines Artikels über einen Leipziger Theaterskandal mit den folgenden Passagen?

„Zwischen der Stadt Leipzig und der Stadt Mahagonny, die schon durch ihr kurzes o und doppeltes n betont, daß sie nicht aus jenem preziösen Holz geschnitzt ist, sind Zwistigkeiten entstanden. Leipzig neidet der Stadt Mahagonny den Aufstieg, obschon dieser, wie der Hochmut selbst, vor dem Fall kommt. […]
Trotz der zwischen beiden Siedlungen bestehenden Gegensätzen wurde der Stadt Mahagonny von der Stadt Leipzig in deren Oper Gastfreundschaft gewährt, diese jedoch von den anwesenden Leipzigern desavouiert.“
 

Lösung:
a) Ernst Natonek (in: Die Absetzung. Mahagonny und die Folgen)
b) Alfred Polgar (in: Krach in Leipzig. Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny)
c) Alfred Kerr (in: Mahagoni wär mir lieber)

Gewinnerin: J. Willenberg

 

1. Dezember, Frage 1

Von wem stammt die folgende Beschreibung einer Figur, die große Ähnlichkeit mit dem Lesenden Klosterschüler von Ernst Barlach hat?

„Die Figur stellte einen jungen Mann dar, der in einem Buch las, das auf seinen Knien lag. […] Er las ganz einfach. Er las aufmerksam. Er las genau. Er las sogar in höchster Konzentration. Aber er las kritisch. Er sah aus, als wisse er in jedem Moment, was er da lese. Seine Arme hingen herab, aber sie schienen bereit, jeden Augenblick einen Finger auf den Text zu führen, der zeigen würde: das ist nicht wahr. Das glaube ich nicht. […] Er sieht aus wie einer, der jederzeit das Buch zuklappen kann und aufstehen, um etwas ganz anderes zu tun.“

Lösung:
a) Franz Fühmann (in: Barlach in Güstrow)
b) Alfred Andersch (in: Sansibar oder der letzte Grund)
c) Alfred Hitchcock (in: Der Mann, der zuviel las)

Gewinner: A. Höfelmayr

Die Teilnahmebedingungen sind wie stets: jeden Tag (außer am Sonntag) eine Frage, zu finden auf der Homepage und im Laden, an jedem Tag wird unter den erfolgreich Teilnehmenden ein Buch-Gewinn verlost.

Wir wünschen eine trotz mancher Erschwerung gelingende Adventszeit und setzen weiterhin auf die schützende und beflügelnde Kraft der Bücher.

Jacqueline Simon & Ansgar Weber